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Die Bedeutung von Genesis 1,26: Was bedeutet “Lasst uns machen” wirklich?
Genesis 1,26 wird von Christen oft als Beleg für die Dreifaltigkeit angeführt, wobei das Pluralwort (“wir”) als Bezugnahme auf “Vater, Sohn und Heiligen Geist” interpretiert wird. Diese Interpretation setzt jedoch ein christliches theologisches Rahmenwerk voraus, das für den ursprünglichen Kontext des Textes nicht relevant ist. Welche Bedeutung hat die Pluralform in ihrem ursprünglichen Kontext innerhalb des monotheistischen Glaubens der Bibel? In diesem Blogbeitrag werden wir Genesis 1,26 aus jüdischer Perspektive untersuchen und die verschiedenen Interpretationen dieses Textes beleuchten.
Genesis 1:26: Ein genauerer Blick
| 26 Und Gott sprach: ‘Lass uns den Mann machen unser Bild, nach unser Ähnlichkeit; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.’ | כו וַיֹּאמֶר אֱלֹקים, נַעֲשֶׂה אָדָם בְּצַלְמֵנוּ כִּדְמוּתֵנוּ; וְיִרְדּוּ בִדְגַת הַיָּם וּבְעוֹף הַשָּׁמַיִם, וּבַבְּהֵמָה וּבְכָל-הָאָרֶץ, וּבְכָל-הָרֶמֶשׂ, הָרֹמֵשׂ עַל-הָאָרֶץ. |
Diese Passage wird oft missbraucht, um die Trinitätslehre zu bekräftigen, basierend auf der Pluralform von “wir”. Daraus wird geschlossen, dass Gott, indem er im Plural spricht, sich selbst als Vater, Sohn und Heiliger Geist bezeichnet. Die jüdische Auslegung betont jedoch die einzigartige, unteilbare Natur Gottes, und diese Pluralform wird üblicherweise eher als rhetorische Stärke denn als Hinweis auf mehrere göttliche Personen verstanden.
Der wahre Monotheismus in der Bibel
Bevor wir uns mit der Bedeutung von Genesis 1,26 befassen, ist es wichtig, den Monotheismus der Bibel zu verstehen. Im gesamten Tanach wird die absolute Einheit Gottes immer wieder betont. Ein zentrales Beispiel dafür ist Deuteronomium 6:4, welche die Grundlage des jüdischen Glaubens darstellt:
| 4 Höre, Israel: Der HERR, unser Gott, der HERR ist einer. | ד שְׁמַע, יִשְׂרָאֵל: ד' אֱלֹקינוּ, ד' אֶחָד. |
Dieser Vers, der Teil des Schma Jisrael ist, gehört zu den am häufigsten wiederholten und grundlegendsten Aussagen im Judentum und betont die unteilbare Einheit Gottes.
Ähnlich verhält es sich in Jesaja 44:6, lasen wir:
| 6 So spricht der HERR, der König Israels und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und ich bin der Letzte, und außer mir gibt es keinen Gott. | ו כֹּה-אָמַר ד' מֶלֶךְ-יִשְׂרָאֵל וְגֹאֲלוֹ, ד' צְבָאוֹת: אֲנִי רִאשׁוֹן וַאֲנִי אַחֲרוֹן, וּמִבַּלְעָדַי אֵין אֱלֹקים. |
Dieser Vers bekräftigt ferner, dass es neben Gott keine anderen Götter gibt, und unterstreicht damit den ausschließlichen und absoluten Monotheismus der Bibel.
Die Dreifaltigkeit: Eine Fehlinterpretation?
Die Dreifaltigkeit wird in der Bibel nie explizit erwähnt, und obwohl christliche Theologen versuchen, diese Lehre auf Texte wie Genesis 1,26 zu stützen, übersieht diese Lesart den Kontext des antiken jüdischen Monotheismus, der kein Konzept eines dreieinigen Gottes kennt. Die Interpretation der Pluralform “wir” wirft innerhalb des jüdischen Gottesverständnisses bedeutende Fragen auf.
Anstatt die Trinitätslehre zu stützen, wird Genesis 1,26 im Judentum oft als Ausdruck von Gottes Majestät und Größe verstanden. Die Pluralform wird nicht als Hinweis auf mehrere göttliche Personen gesehen, sondern als Ausdruck erhabener Sprache, die Gottes höchste Macht hervorhebt. Wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.
Was sagen jüdische Gelehrte zu “Lasst uns machen”?
Betrachten wir nun die verschiedenen jüdischen Interpretationen von Genesis 1,26 und der Pluralform “lasst uns machen”:
- Rashi Raschi erklärt, dass die Pluralform “Lasst uns machen” Gottes Demut unterstreicht. Er vermutet, dass Gott den “himmlischen Rat” konsultiert, um den Neid der Engel zu vermeiden. Die Engel spielen jedoch keine aktive Rolle bei der Schöpfung; es bleibt Gott, der die Menschheit erschafft, wie Vers 27 verdeutlicht: “Gott schuf den Menschen.”
- Ramban Die Pluralform “Lasst uns machen” bezieht sich auf die Zusammenarbeit zwischen Gott und der Erde bei der Erschaffung der Menschheit. Gott fügt der physischen Substanz der Erde die Seele hinzu und verleiht der Menschheit so sowohl eine physische als auch eine spirituelle Natur.
- Oder HaChaim Dies deutet darauf hin, dass die Pluralform nicht bedeutet, dass Gott mit anderen Wesenheiten zusammenarbeitet. Vielmehr spricht Gott im Plural, um seine vielen Eigenschaften, wie Gnade und Gericht, darzustellen, die bei der Erschaffung der Menschheit zusammenwirken.
- Ibn Ezra Er lehnt die Interpretation ab, dass sich “lasst uns machen” auf mehrere Entitäten bezieht. Er betrachtet die Pluralform als einen “Plural der Majestät”, eine gehobene Sprachform, und nicht als einen wörtlichen Plural.
Was bedeutet “nach unserem Bild und Gleichnis”?
Der zweite Teil von Genesis 1,26 lautet: “Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich.” Was bedeutet es, dass die Menschheit nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen wurde?
- Ibn Ezra Dies verdeutlicht, dass dieser Ausdruck nicht auf eine physische Ähnlichkeit mit Gott verweist, da dies anderen Versen widersprechen würde, die Gottes Transzendenz betonen (z. B. Jesaja 40,25). Vielmehr bezieht er sich auf die Herrschaft der Menschheit über die Erde und ihre spirituelle Natur, was mit dem unkörperlichen Aspekt Gottes übereinstimmt. Die Menschheit ist in einem nicht-physischen Sinne nach Gottes “Bild” geschaffen, was ihre höhere spirituelle Rolle unterstreicht.
- Ramban erklärt, dass “tzelem” (Bild) die physische Ähnlichkeit der Menschheit mit Gott bezeichnet, während “d'muth” (Ähnlichkeit) die innere, spirituelle Ausrichtung der Menschheit auf die höheren, himmlischen Sphären meint. Der Mensch hat somit sowohl eine physische Ähnlichkeit mit der Erde (seinen Körpern) als auch eine höhere, spirituelle Ähnlichkeit mit den himmlischen Wesen (ihren Seelen).
- Rashi Es wird erklärt, dass die Menschheit sowohl physisch als auch spirituell nach dem Vorbild himmlischer Wesen erschaffen wurde. Der Mensch besitzt die Fähigkeit zu verstehen und zu unterscheiden, was ein wesentlicher Aspekt dieser “Ähnlichkeit” ist. Dies bezieht sich auf die spirituelle Fähigkeit des Menschen, Entscheidungen zu treffen, die über die einfache, physische Welt hinausgehen und ihn von anderen Geschöpfen unterscheiden.
Schlussfolgerung
Genesis 1,26 wird oft zur Stützung der Trinitätslehre herangezogen, doch diese Interpretation scheint im Widerspruch zum tief verwurzelten jüdischen Glauben an die Einheit Gottes zu stehen. Die Pluralform “uns” wird nicht als Hinweis auf mehrere göttliche Personen verstanden, sondern vielmehr als Betonung von Gottes Majestät und Macht. Ebenso wird die Formulierung “nach unserem Bild und Gleichnis” nicht als äußerliche Ähnlichkeit, sondern als Hinweis auf die vom Schöpfer verliehenen geistigen und intellektuellen Fähigkeiten der Menschheit verstanden.
Wir müssen anerkennen, dass das Konzept der Dreifaltigkeit eine spätere christliche Entwicklung ist. Das entspricht nicht der ursprünglichen Intention des Textes. Es ist viel wichtiger, die wahre monotheistische Botschaft der Bibel anzunehmen, die lehrt, dass Gott der einzige Schöpfer, der Erste und der Letzte ist und dass es keinen anderen Gott neben ihm gibt. Dies ist der Kern des jüdischen Glaubens und bildet das Fundament unserer Beziehung zu Gott als dem einen wahren Gott.
Von Angelique Sijbolts
Mit Dank an Rabbi Tani Burton für sein Feedback
Quellen:
Rashi, “Kommentar zu Genesis 1,26”
Ramban, “Kommentar zu Genesis 1,26”
Oder HaChaim, “Kommentar zu Genesis 1,26”
Ibn Ezra, “Kommentar zu Genesis 1,26”
Pflichten des Herzens Erste Abhandlung über die Einheit, Kapitel 5
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