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Parashat Lech Lecha
TDie Tora-Lesung dieser Woche erzählt unter anderem die Geschichte von Abrahams Kampf gegen die Könige. Gott sagt Abraham, dass er sein Schild sein werde. Warum sollte Abraham nach dem Krieg einen Schild benötigen? (Basierend auf Tora Or, Lech Lecha, Magen Avraham.).
Lech Lecha: Die Balance zwischen Freundlichkeit und Zurückhaltung finden
Der Wochenabschnitt der Tora, Lech Lecha, beginnt mit einem göttlichen Ruf: “Geht hinaus” — Gottes Gebot an Abraham, seine Heimat zu verlassen und eine neue spirituelle Reise anzutreten. Unter den vielen Geschichten in diesem Abschnitt sticht eine besonders hervor: der Krieg zwischen vier und fünf Königen und Abrahams überraschende Rolle darin.
Nach dem Krieg kehrt Abraham siegreich zurück. Doch anstatt seinen militärischen Erfolg zu feiern, führt er ein Gespräch mit Gott. Gott sagt ihm:
“Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein.”
— Genesis 15:1
Es stellt sich eine interessante Frage: Warum sollte Gott Abraham sagen, er solle sich nicht fürchten und dass er ihn beschützen werde, unmittelbar nachdem Abraham einen Krieg gewonnen hat? Hätte Abraham vor der Schlacht nicht Schutz benötigt?
Eine einfache Antwort – und eine tiefere
Vordergründig könnte man sagen, Gott habe Abraham daran erinnert, dass sein Sieg nicht seiner eigenen Stärke, sondern seinem ständigen göttlichen Schutz zu verdanken war. Doch wie wir wissen, ist die Tora nicht nur ein Buch mit Geschichten, sondern auch ein Buch mit Lehren – Lebenslektionen. Welche tiefere Botschaft verbirgt sich also in diesen Worten?, “Ich bin dein Schutzschild”?
Die innere Bedeutung: Abraham als Inbegriff der Güte
Im jüdischen Denken verkörpern die drei Patriarchen – Abraham, Isaak und Jakob – jeweils eine spirituelle Qualität der menschlichen Seele:
- Abraham (Avraham) repräsentiert Chesed - Freundlichkeit.
- Isaak (Jitzchak) repräsentiert Gevurah — Schweregrad oder Einschränkung.
- Jakob (Yaakov) repräsentiert Tiferet — Schönheit oder Ausgewogenheit, die Güte und Zurückhaltung in Barmherzigkeit vereint.
Jede dieser Eigenschaften ist wichtig, doch wenn sie ins Extrem getrieben werden, kann jede einzelne auch aus dem Gleichgewicht geraten und sogar schädlich sein.
Die Gefahr grenzenloser Freundlichkeit
Güte ist wunderbar – doch grenzenlose Güte kann gefährlich sein. Abrahams Mitgefühl war unermesslich. Er betete sogar für diejenigen, die sich Gottes Wegen widersetzten, darunter auch für seinen Sohn Ismael, und bat Gott: “Lass Ismael vor Dir leben.”
Doch grenzenlose Güte kann selbst dem, was eigentlich nicht gedeihen sollte, Leben und Kraft einhauchen. Die jüdische Tradition lehrt, dass der Ursprung von Ismaels negativem Einfluss in Abrahams übermäßiger Güte liegt – Güte ohne Urteil oder Grenzen.
Die Gefahr übermäßiger Einschränkung
Isaak hingegen verkörpert das gegenteilige Extrem – Gevurah, also Selbstbeherrschung und Urteilsvermögen. Zu viel Strenge, zu viel Verschlossenheit führen zu Kälte und Distanz. Von Isaak stammte Esau ab, der das Ungleichgewicht zwischen zu viel Urteilsvermögen und zu viel Selbstverschlossenheit repräsentiert.
So wie grenzenlose Güte in Chaos umschlagen kann, kann grenzenlose Selbstbeherrschung jegliches Wachstum ersticken. Beides bedarf der Mäßigung.
Das Gleichgewicht: Jakob und der Schild
Hierin liegt Jakobs Genialität – die Harmonie zwischen Geben und Nehmen. Jakob verkörpert Tiferet — Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist keine blinde Güte; sie erkennt Unvollkommenheit an und entscheidet sich dennoch zu geben. Sie ist Mitgefühl, das auf Wahrheit gründet.
Und dies, so erklären unsere Weisen, meinte Gott, als er Abraham sagte:, “Ich bin dein Schutzschild.”
Gott lehrte Abraham, dass selbst Güte einen Schutzschild, eine Grenze braucht – eine Möglichkeit, sie davor zu bewahren, sich in Bereiche auszubreiten, in die sie nicht gehört.
Grenzenlose Güte ist wie formloses Licht: Sie kann alles erhellen, aber auch verbrennen und zerstören. Der “Schild” symbolisiert Zurückhaltung und gibt der Güte Form und Richtung, damit sie wahrhaftig heilt und erhebt.
Eine moderne Analogie
Nehmen wir den Geist als Beispiel.
Wenn Gedanken frei fließen, ist das Kreativität – Freundlichkeit in geistiger Form. Doch wenn Gedanken ziellos umherschweifen, führen sie zu Verwirrung. Ebenso führt zu viel Zurückhaltung – das Unterdrücken von Ideen und Gefühlen – zu Stille und Stagnation.
Der Geist braucht, wie das Herz, ein Gleichgewicht.
Die Welt steht im Gleichgewicht
Unsere Weisen lehren, dass Gott bei der Erschaffung der Welt zunächst erwog, sie mit dem Attribut der Gerechtigkeit (Elohim) – reiner Zurückhaltung – zu erschaffen. Doch er erkannte, dass die Welt nicht allein durch Gericht bestehen konnte. Daher verband er sie mit Barmherzigkeit und schuf so ein Gleichgewicht zwischen Strenge und Güte.
Und dieses Gleichgewicht ist es, das das Universum erhält.
Die Lektion leben
Gottes Botschaft an Abraham — “Ich bin dein Schutzschild.” — ist auch eine Botschaft an jeden von uns.
Wir sind alle aufgerufen, zu prüfen, wo wir zu weit gehen:
- Geben wir zu viel nach, sodass wir dadurch Schaden ermöglichen?
- Oder halten wir zu viel zurück, aus Angst, Mitgefühl zu zeigen?
Die spirituelle Kunst des Lebens besteht darin, zu wissen, wann man geben und wann man sich zurückhalten soll, den Mittelweg zu finden – den Weg der Barmherzigkeit und der Wahrheit.
Möge Gott, unser ultimativer Schutzschild, uns helfen, Licht und Güte in die Welt zu bringen – mit Weisheit und Harmonie.
Vortrag von Rabbi Tuvia Serber
Die obige Darstellung zeigt den gesprochenen Text, der in geschriebenen Text umgewandelt wurde.
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