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In der Tora-Lesung dieser Woche erfahren wir mehr über die letzten Lebensjahre Jakobs. Ein interessantes Gespräch zwischen ihm und Josef über Jakobs Grabstätte gibt Aufschluss darüber, wie wir über Gott im Allgemeinen und über den Messias im Besonderen nachdenken sollen. (Basierend auf Likutei Sichot, Bd. 25, S. 270)


Warum ließ Jakob Joseph schwören?

Ein tieferer Einblick in Parashat Vayechi

Jacobs letzter Wunsch

In der Tora-Lesung dieser Woche erfahren wir von den letzten Lebensjahren Jakobs im Land Ägypten. Jakob lebte dort die letzten siebzehn Jahre seines Lebens. Als er spürte, dass seine Zeit sich dem Ende zuneigte, rief er seinen Sohn Josef zu sich und äußerte eine ganz bestimmte Bitte:

“Bitte, wenn ich sterbe, begrabt mich nicht in Ägypten. Bringt mich in das Land Kanaan und begrabt mich an der Grabstätte meiner Vorfahren.”

Joseph stimmte sofort zu und erklärte sich bereit, den Wunsch seines Vaters zu erfüllen. Doch Jakob gab sich damit nicht zufrieden. Er fügte noch eine weitere Forderung hinzu:

“Schwöre es mir.”

Joseph schwor daraufhin, dass er genau das tun würde, was sein Vater verlangte.

Auf den ersten Blick wirft dieser Dialog eine einfache, aber brisante Frage auf: Hat Jakob Joseph nicht vertraut?

Eine Frage des Vertrauens

Joseph war nicht irgendein Sohn. Er war rechtschaffen, loyal und mächtig, der Stellvertreter des Pharaos, der in Ägypten die zweite Gefolgschaft hatte. Wenn Joseph etwas versprach, konnte man seinem Wort vertrauen. Warum also bestand Jakob auf einem Eid?

Später in der Tora finden wir eine ähnliche Szene in umgekehrter Reihenfolge. Bevor Josef stirbt, lässt er das jüdische Volk schwören, dass sie seine Gebeine mitnehmen und ihn im Land Kanaan begraben werden, wenn sie Ägypten verlassen. Und tatsächlich tun sie genau das, als der Auszug aus Ägypten schließlich stattfindet.

Warum also die Notwendigkeit, in beiden Fällen zu fluchen?

Die klassische Erklärung: Pharao

Viele klassische Kommentatoren erklären, dass Jakobs Eid überhaupt nichts mit Misstrauen zu tun hatte. Er diente vielmehr Josephs Vorteil – insbesondere im Verhältnis zum Pharao.

Als Josef seinen Vater begraben sollte, benötigte er die Erlaubnis des Pharaos, Ägypten zu verlassen. Der Pharao weigerte sich zunächst. Jakob hatte Ägypten zu Lebzeiten unermesslichen Segen gebracht, und der Pharao wollte nicht, dass er woanders begraben wurde. Laut Midrasch wollten die Ägypter Jakob sogar vergöttlichen.

Joseph erklärte dem Pharao, dass er an einen Eid gebunden sei: Er habe seinem Vater geschworen, ihn in Kanaan zu begraben. Der Pharao antwortete: “Dann geh und begrabe deinen Vater, wie du es ihm geschworen hast.”

Die Weisen erklären, dass der Pharao von diesem Eid wusste, weil Josef ein Druckmittel hatte: Josef hatte dem Pharao einst geschworen, niemals zu verraten, dass der Pharao kein Hebräisch konnte. Als der Pharao dies erkannte, blieb ihm nichts anderes übrig, als Josef zu erlauben, seinen Schwur gegenüber seinem Vater zu erfüllen.

Raschis Schweigen – und was es uns lehrt

Interessanterweise erklärt Raschi, der Kommentator, der sich auf die wörtliche Bedeutung des Textes konzentriert, Jakobs Forderung nach einem Eid nicht in dem Moment, in dem sie geschieht. Raschi erwähnt den Eid erst später, als Josef mit dem Pharao spricht.

Dieses Schweigen ist bedeutsam. Es legt nahe, dass der Eid auf einer einfachen Ebene für sich selbst verstanden werden muss und nicht bloß als politisches Manöver.

Was also tat Jakob wirklich?

Die Macht eines Eides

Der Rebbe erklärt dies auf eine tiefgründige und doch einfache Weise.

Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen dem Versprechen, etwas zu tun, und dem Schwören, es zu tun.

Wenn jemand sagt: “Ich werde das tun”, besteht zwar die Verpflichtung, doch sie kann im Hinterkopf bleiben. Das Leben geht weiter, Ablenkungen tauchen auf und andere Verpflichtungen rücken in den Vordergrund. Selbst bei guten Absichten füllt das Versprechen möglicherweise nicht die volle Aufmerksamkeit aus.

Doch wenn ein Mensch einen Eid schwört, rückt die Verpflichtung in den Mittelpunkt. Sie ist nicht länger nebensächlich, sondern steht im Vordergrund des Bewusstseins. Ein Eid mobilisiert die Lebenskraft des Menschen. Ungeachtet der Umstände bleibt der Betroffene sich seiner Verpflichtung stets bewusst und wartet aktiv auf den Moment, in dem er sie erfüllen kann.

Jakob wollte, dass Joseph sich dessen stets bewusst war. Er wollte, dass Joseph nie aufhörte, an sein Begräbnis zu denken und jederzeit bereit war zu handeln, sobald es möglich war.

Jenseits des Intellekts

Es gibt noch eine weitere, noch tiefere Schicht.

Worte wirken im Rahmen von Intellekt und Vernunft. Jeder Mensch findet Rechtfertigungen, Erklärungen oder Umstände, die sein Handeln beeinflussen. Ein Eid hingegen geht über den Intellekt hinaus. Er umgeht Kalkül und Vernunft.

Joseph war tief in die ägyptische Gesellschaft eingebunden. Er regierte das Land, lenkte die Wirtschaft und sah sich ständigem politischen Druck ausgesetzt. Jakob verstand, dass Logik und Umstände eines Tages dazwischenkommen könnten.

Indem Jakob Joseph einen Eid ablegte, erhob er ihn über diese Beschränkungen. Ungeachtet aller auftretenden Hindernisse – seien sie politischer, sozialer oder emotionaler Natur – würde der Eid Bestand haben.

Jakob selbst lebte so. Selbst in Ägypten war er nicht wirklich “im Exil”. Er lebte abseits, im Land Goschen, fernab der ägyptischen Kultur. Josef hingegen war tief in sie eingebunden. Jakob wollte Josef auf sein eigenes spirituelles Niveau heben.

Eine Lektion für unser eigenes Leben

Diese Geschichte handelt nicht nur von Begräbnisstätten. Sie birgt eine zeitlose Botschaft darüber, wie wir zu Gott stehen und was unser Lebenssinn ist.

Unsere Verbindung zu Gott darf nicht sporadisch sein.

Es kann nicht etwas sein, worüber wir nachdenken, “wenn wir Zeit haben”. Das Judentum kennt keine Trennung zwischen “heiligen Momenten” und “neutralen Momenten”. Jeder Aspekt des Lebens – Arbeit, Ruhe, Essen, selbst die alltäglichsten Tätigkeiten – ist vom göttlichen Gesetz bestimmt und von Göttlichkeit durchdrungen.

Unsere Beziehung zu Gott muss wie ein Schwur sein: beständig, bewusst und allumfassend.

Dasselbe gilt für unseren Glauben an den Messias. Eines der Dreizehn Glaubensprinzipien des Rambam lautet:

“Selbst wenn er sich verspätet, werde ich jeden einzelnen Tag auf ihn warten.”

Nicht nur jeden Tag – sondern den ganzen Tag.

Glaube ist nichts, was man ein- und ausschalten kann. Er soll unser Bewusstsein in jedem Augenblick prägen.

Ein Leben mit Sinn

Jakob wollte, dass Joseph und wir mit unerschütterlicher Konzentration leben. Dass wir unsere Mission nicht als ferne Idee, sondern als lebendige, pulsierende Verpflichtung begreifen.

Nicht von Zeit zu Zeit.
Nicht nur dann, wenn es passt.
Aber immer.

Vortrag von Rabbi Tuvia Serber


Die obige Darstellung zeigt den gesprochenen Text, der in geschriebenen Text umgewandelt wurde.

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