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Die Tora durch Reflexion und Gespräche in das eigene Leben zu integrieren, kann eine unglaublich unterhaltsame und fesselnde Erfahrung sein. Es ist eine Entdeckungsreise, auf der alte Weisheit und zeitlose Lehren in unseren täglichen Erfahrungen lebendig werden. Durch die Reflexion haben wir die Möglichkeit, tief in den reichen Wandteppich der Tora einzutauchen und tiefe Einsichten und Lehren zu gewinnen, die mit unserem modernen Leben übereinstimmen. Die Freude liegt in den "Aha"-Momenten, wenn ein Tora-Vers oder eine Geschichte plötzlich mit unseren persönlichen Herausforderungen, Bestrebungen und Werten in Verbindung steht. Und wenn wir uns mit anderen über die Tora unterhalten, wird dies zu einer interaktiven Erkundung, bei der unterschiedliche Perspektiven und Interpretationen unser Verständnis verbessern. Diese Dialoge wecken oft Begeisterung und intellektuelle Neugier, was den Lernprozess sowohl angenehm als auch erfüllend macht. Die Tora wird zu einem lebendigen und dynamischen Teil unseres Lebens und bietet nicht nur Orientierung, sondern auch eine Quelle endloser Faszination, Verbindung und Wachstum.

HINWEIS: Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, alle Quellen durchzugehen oder alle Fragen zu beantworten - es sei denn, Sie möchten das. Auch nur eine Quelle oder eine Frage wird Ihnen viel Stoff für Diskussionen und Meditation liefern. Viel Spaß damit!

Einige Gedanken aus der Parascha

In der Tora-Lesung dieser Woche gibt es eine seltsame und leicht zu übersehende Szene: Zwillinge werden geboren. Zuerst erscheint eine Hand, um die ein purpurroter Faden gebunden wird, um das Erstgeborene zu kennzeichnen. Doch dann geschieht etwas Unerwartetes: Die Hand zieht sich zurück. Das andere Kind kommt zuerst zur Welt. Die Hebamme ruft aus: “Was für ein Durchbruch!” und gibt ihm den Namen Peretz, was Durchbruch bedeutet. Erst danach kommt das erste Kind zur Welt und erhält den Namen Zerach, was Glanz bedeutet.

Auf den ersten Blick mag dies wie eine biologische Kuriosität erscheinen. Doch die Tora verliert keine Worte, und wenn wir diese Geschichte weiterverfolgen, erkennen wir, dass sie alles andere als unbedeutend ist. Peretz wird zum Stammvater von Boas. Boas heiratet Ruth. Von ihnen stammen Oved, dann Isai und schließlich König David ab. Die gesamte davidische Linie, Israels Königtum und die Hoffnung auf zukünftige Erlösung entspringen diesem unerwarteten Bruch.

Und es wird noch komplizierter.

Ruth selbst stammt aus Moab und ist das Ergebnis einer zutiefst beunruhigenden Episode um Lot und seine Tochter. Juda zeugt Peretz mit Tamar unter Umständen, die von Heimlichkeit und Missverständnissen geprägt sind. Von beiden Seiten entspringt die Linie, die zu David führt, Beziehungen, die nicht hätten stattfinden sollen oder auf eine Weise stattfanden, die zutiefst fehlerhaft erscheint. Und doch ist es diese Linie, die die Tora sorgfältig und bewusst nachzeichnet.

Dies zwingt uns, uns einer gewichtigen und unbequemen Wahrheit zu stellen: Die Tora geht nicht davon aus, dass alles Gute von Anfang an gut sein muss. Im Gegenteil, sie lehrt oft das Gegenteil. Einige der nachhaltigsten und heiligsten Erkenntnisse entstehen aus Momenten der Verwirrung, des Bruchs und der moralischen Komplexität.

Dieses Muster reicht bis zum Anbeginn der Schöpfung zurück: “Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.” (Genesis 1,2) Die Tora besagt nicht, dass Gott auf Ordnung wartete, bevor er handelte. Der göttliche Plan war inmitten des Chaos gegenwärtig.

Diese Erkenntnis ist von enormer Bedeutung für unser Verständnis von Bund, Geschichte und menschlichem Versagen. Weit verbreitet ist die Annahme, insbesondere in späteren theologischen Systemen, dass Ungehorsam Ablehnung bedeutet, dass Scheitern den Sinn des Bundes zunichtemacht und dass ein Bund ersetzt werden muss, wenn er unter Druck gerät. Doch die Tora erzählt eine ganz andere Geschichte.

Israels Bund entfaltet sich nicht geradlinig. Er ist geprägt von Kampf, Protest, Irrtum und Wiedergutmachung. Das bedeutet nicht, dass der Bund gescheitert ist. Es bedeutet, dass der Bund real ist, denn echte Beziehungen beinhalten Verantwortlichkeit, Wachstum und Gegenseitigkeit.

Die davidische Linie selbst ist der deutlichste Beweis. Wenn der Bund vollkommene Ursprünge und ununterbrochene Gerechtigkeit voraussetzte, gäbe es keinen David, kein Königtum und keine Hoffnung für die Zukunft. Die Tora lehrt, dass Gott in der Menschheitsgeschichte so wirkt, wie sie ist, nicht so, wie wir sie uns gewünscht hätten.

Peretz kommt vor Zerach. Der Bruch kommt vor dem Licht.

Und darin liegt eine leise Botschaft für all jene, die sich in einer Zeit der Zerrissenheit oder Ungelöstheit befinden. Dunkelheit bedeutet nicht Verlassenheit. Verwirrung bedeutet nicht das Ende der Geschichte. Sehr oft bedeutet sie, dass etwas Wesentliches noch immer darum ringt, geboren zu werden.

Mögen wir gesegnet sein und die baldige Ankunft des Messias ben David in unseren Tagen feiern. Amen.

Denken Sie nun über die folgenden Fragen nach:

  1. Warum, glauben Sie, betont die Tora fehlerhafte oder komplizierte Anfänge in der Linie, die zu David führt, anstatt sie zu verschweigen?
  2. Was lehrt uns der Name Peretz, was “Bruch” bedeutet, darüber, wie bedeutsame Veränderungen oder Erlösung manchmal in die Welt gelangen?
  3. Inwiefern unterscheidet sich die Tora-Sichtweise auf das Scheitern von Systemen, die davon ausgehen, dass Scheitern Ablehnung oder Ersatz bedeutet?
  4. Können Sie sich in Ihrem eigenen Leben an eine Situation erinnern, in der Klarheit oder Wachstum erst nach Verwirrung oder Umbrüchen entstanden ist?
  5. Was könnte es bedeuten, darauf zu vertrauen, dass sich ein Sinn auch dann noch entfalten kann, wenn sich der gegenwärtige Moment unvollständig oder düster anfühlt?

Schabbat Schalom!

Von Rabbiner Tani Burton

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