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Rosch Haschana ist eine Zeit der Besinnung, des Gebets und der Bitte an Gott um Vergebung.
In der Synagoge umfasst die Tora-Lesung für diesen Tag nicht nur die Geschichten unserer Patriarchen und Matriarchinnen, sondern auch die Geschichte von Hagar, der ägyptischen Magd Saras. Ihre Rolle in der Lesung lehrt uns, dass selbst die Stimme einer Außenseiterin von Gott gehört wird.

Hagar: Eine Mutter in der Krise


Die Tora berichtet, dass Hagar mit ihrem Sohn Ismael in die Wüste geschickt wurde. Als ihr Wasser ausging und kein Ausweg mehr möglich schien, legte sie ihr Kind unter einen Busch und setzte sich in der Ferne hin, weinte verzweifelt. Da erschien ein Engel Gottes und fragte:


“Mah lach Hagar?" – ”Hagar, warum weinst du?"“


Auf den ersten Blick erscheint die Frage überflüssig. Natürlich wusste der Engel, warum sie weinte. Doch die Botschaft ist klar: Tränen allein würden ihr Kind nicht retten. Gott rief Hagar zum Handeln auf – dazu, ihren Sohn zu erheben und für sein Überleben zu kämpfen.

Das Wunder ist bereits gegenwärtig


Als Hagar der Anweisung des Engels folgte, öffneten sich ihre Augen und sie entdeckte einen Brunnen mit lebendigem Wasser. Das Wasser war schon immer da gewesen, doch ihre Tränen hatten ihre Sicht getrübt. Das wahre Wunder lag nicht im plötzlichen Erscheinen des Wassers, sondern in ihrem Mut, aufzustehen und zu handeln.

Hagar als Vorbild für Rosch Haschana


Die Geschichte von Hagar zeigt, dass Gott nicht nur die Gebete Israels erhört, sondern auch den Schrei derer jenseits seiner Grenzen. Weitere Beispiele sind Naaman der Aramäer, die Einwohner von Ninive, die nach Jonas Warnung Buße taten, und sogar Abrahams Diener Eliëser. Diese Beispiele bekräftigen die Botschaft, dass Gottes Aufmerksamkeit und Barmherzigkeit allen Menschen gelten. Dies hat eine ganz besondere Bedeutung am Rosch Haschana, wenn Gott nicht nur das jüdische Volk, sondern die ganze Welt richtet.

Dieses Urteil kann entmutigend wirken, wenn wir über unsere Fehler, unser Versagen und das Gute nachdenken, das wir nicht vollbracht haben. Die Tatsache, dass Gott die Gebete unserer Vorfahren erhört hat, die vor der Offenbarung der Tora als Noachiden lebten, zeigt, dass dies kein seltener Ausnahmefall ist. Vielmehr ist es ein Grundsatz, dass Gott die Gebete aller rechtschaffenen Noachiden erhört. Doch Hagars Geschichte schenkt Hoffnung: Gott erbarmt sich aller, die sich ihm aufrichtig zuwenden. Gleichzeitig fordert sie uns zum Handeln auf – dazu, die Menschen um uns herum zu unterstützen, so wie der Engel Hagar drängte, Wasser für ihren Sohn zu holen.

Das Echo des Schofars


Für Juden ist das Hören des Schofars ein zentrales Gebot von Rosch Haschana. Noachiden sind nicht verpflichtet, den Schofar zu hören, können aber ebenfalls Inspiration aus seinem Klang schöpfen. Der schluchzende Klang des Schofars erinnert an Hagars Weinen in der Wüste: ein Schrei der Verzweiflung, dem Hoffnung und Leben begegneten.

Fazit: Kumi – Aufstieg und Handeln


Wie der Engel zu Hagar sagte:
“Kumi – Steh auf, nimm dein Kind hoch und such das Wasser.”
Das ist auch die Lehre von Rosch Haschana: Selbst in Momenten der Trauer, Verwirrung und Verzweiflung können wir Schritte hin zu Erneuerung und Wachstum unternehmen. Wenn Gebet und Handeln Hand in Hand gehen, öffnet sich der Weg zu Hoffnung, Vergebung und Neuanfängen.

Hagar ruft uns dieses Jahr nicht nur zum Weinen auf, sondern auch zum Handeln. Nicht nur zum Klagen, sondern auch dazu, unsere Augen zu öffnen für das, was Gott uns bereits in Reichweite gelegt hat. So kann 5786 zu einem Jahr der Erneuerung, der Vergebung und des spirituellen Wachstums werden.

Mit Dank an Rabbiner Moshe Bernstein für das Feedback und die Anregungen

QuelleInspiriert von Hegyonot El Ami, Band I, Rosch Haschana 18 und Chabad-Artikel: “Was ist los mit dir, Hagar?” Von Moshe Bogomilsky. Aus der Sammlung „Sichos in English“.



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