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Was bedeutet es wirklich, Gott zu fürchten?
Was bedeutet Gottesfurcht wirklich? Viele interpretieren sie lediglich als Vermeidung von Strafe: “Tu, was ich sage, sonst wirst du die Konsequenzen tragen.” Doch ist das wirklich das Wesen der Gottesfurcht? Wahre Gottesfurcht bedeutet nicht, Strafe zu fürchten, sondern Gott in seinem wahren Wesen zu verehren. Wie Maimonides erklärt, entwickeln sich Liebe und Ehrfurcht vor Gott, wenn wir seine Größe begreifen. In diesem Artikel untersuchen wir die fünf traditionellen Stufen der Gottesfurcht: Furcht vor Strafe, Furcht vor Sünde, Ehrfurcht vor Gott als Schöpfer, Verehrung seiner Größe und das Erkennen seines unergründlichen Wesens.
1. Angst vor Bestrafung
Die erste Stufe ist die Angst vor Bestrafung. Diese Angst entspringt der Furcht vor den Konsequenzen eines Fehlverhaltens und nicht einer direkten Beziehung zu Gott. Es ist eine kindliche Angst, ähnlich wie wir gutes Verhalten bei Kindern durch Belohnung oder Konsequenzen fördern. Diese Angst bildet ein solides Fundament, trägt aber nicht zu einem tieferen Verständnis Gottes bei. Wie bei der Kindererziehung dient diese Stufe als Ausgangspunkt, um unser moralisches Bewusstsein zu schärfen.
2. Furcht vor der Sünde
Die zweite Form der Gottesfurcht ist die sogenannte “Sündenfurcht”. Diese Furcht entspringt dem Wunsch, mit Gott, der als Quelle allen Lebens gesehen wird, verbunden zu bleiben. Hierbei geht es weniger um die Vermeidung von Strafe, sondern vielmehr um die Angst, die spirituelle Verbindung zum Schöpfer durch Sünde zu zerbrechen. Wie die Heilige Schrift sagt: “Denn bei dir ist der Quell des Lebens.” Gott als Quelle allen Lebens anzuerkennen, inspiriert den festen Willen, alles zu meiden, was zu einer Trennung von ihm führen könnte.
3. Ehrfurcht vor Gott als Schöpfer
Auf einer tieferen Ebene liegt die Ehrfurcht vor Gott als Schöpfer, bekannt als “Yirat Elokim”. Diese Ebene erwächst durch die Meditation über die Natur und die göttliche Kraft hinter der Schöpfung. Das hebräische Wort für Natur, *ha-teva*, hat denselben Zahlenwert wie *Elokim*, einer der Namen Gottes, was die enge Verbindung zwischen Gott und seiner Schöpfung unterstreicht. Indem wir die Natur als Ausdruck seiner Macht betrachten, wächst ein Gefühl der Ehrfurcht vor dem Schöpfer selbst.
4. Ehrfurcht vor Gottes Größe
Die vierte Stufe der Gottesfurcht übertrifft sogar die Bewunderung für seine Schöpferkraft. Auf dieser Stufe entsteht ein tieferes Bewusstsein für die Unermesslichkeit und Komplexität von Gottes Größe. Obwohl Gott die Welt erschaffen hat, ist diese Schöpfung für ihn nur ein einfacher, demütiger Akt. Er brachte die Welt mit nur einem Buchstaben, “hey”, ins Leben und unterstreicht damit die Leichtigkeit, mit der er sie erschuf. Für uns mag die Schöpfung unendlich groß und komplex erscheinen, doch für Gott ist sie nur ein kleiner Teil seines Wesens. Dieses Bewusstsein führt zu einem tiefen Gefühl des Staunens und der Demut, wenn wir über Gottes Größe nachdenken.
Der Unterschied zwischen dieser und der vorherigen Ebene lässt sich verdeutlichen, indem man den Unterschied zwischen direktem und indirektem Verstehen betrachtet. Direktes Verstehen bedeutet, die Wahrheit einer Sache in ihrem Wesen zu erfassen. Indirektes Verstehen bedeutet, etwas durch das zu begreifen, was es nicht ist. Da wir nicht definieren können, was eine Sache ist, beschreiben wir, was sie nicht ist.
Durch Meditation über den Namen Elokim, die Natur usw. können wir Gottes Größe erfassen. Durch Meditation über den unaussprechlichen Namen Haschems (IUD Kei vav Kei) können wir Ihn durch das erfassen, was er nicht ist, da wir Sein Wesen nicht wirklich verstehen können.
5. Gottes unergründliches Wesen erkennen
Die höchste Stufe der Gottesfurcht liegt im Bewusstsein seines unergründlichen und unendlichen Wesens. Diese Stufe übersteigt unser Verständnis der Schöpfung und selbst seiner Größe. Gott ist nicht einfach nur unendlich groß; sein Wesen übersteigt unser menschliches Fassungsvermögen für die Unendlichkeit. Wenn wir versuchen, Gottes Größe zu begreifen, schränken wir ihn per Definition ein. Diese Ehrfurcht entspringt der demütigen Erkenntnis unserer eigenen Grenzen angesichts seiner grenzenlosen Größe. Diese tiefe Ehrfurcht und Demut erwächst aus dem Bewusstsein, dass wir niemals vollständig verstehen werden, wer oder was Gott wirklich ist.
Der Unterschied zwischen dieser und der vorherigen Ebene besteht darin, dass wir auf der vorherigen etwas durch sein Nichtsein erfassen, es aber dennoch in Beziehung zur Schöpfung steht. Gott steht jenseits der Schöpfung, ist aber durch seine Transzendierung mit ihr verbunden. Auf dieser Ebene ist Er völlig jenseits dessen, was wir über Ihn sagen oder denken könnten, ja sogar jenseits einer Beziehung zur Schöpfung als Schöpfer. Letztendlich handelt es sich um ein einziges, einheitliches Konzept. In bestimmten Kontexten werden diese beiden Ebenen jedoch unterschieden, um zu verdeutlichen, dass Gott von uns eine bewusste Entscheidung in unserem Streben nach einer tieferen Verbindung mit Ihm erwartet.
6. Zusammenfassung
- Angst vor BestrafungDiese Ebene ist egozentrisch; man fürchtet Gott hauptsächlich, um Bestrafung zu vermeiden. Es geht nicht um Respekt, sondern um die Angst vor Leid oder Konsequenzen.
- Angst vor der SündeHier erkennt man Gott als Autorität an und meidet die Sünde, um die Verbindung zu ihm aufrechtzuerhalten. Es gibt zwar noch ein gewisses Maß an Eigeninteresse, aber es zeigt den Wunsch, die Beziehung zu Gott zu pflegen.
- GottesfurchtDies markiert einen Wandel hin zu einer gottzentrierten Perspektive, die Gott als Quelle des Lebens und der Schöpfung anerkennt. Die Furcht richtet sich hier gegen Gott selbst und nicht gegen etwaige Auswirkungen auf das eigene Leben.
- GottesfurchtAuf dieser Ebene wird man sich der Unendlichkeit Gottes bewusst, symbolisiert durch den unaussprechlichen Namen Gottes. Während Gottes Größe durch die Schöpfung teilweise begriffen wird, wird sein Wesen als jenseits des vollständigen Begreifens anerkannt.
- Angst vor dem UnergründlichenDie höchste Ebene, auf der man erkennt, dass Gottes Wesen gänzlich jenseits menschlichen Verstehens liegt, nicht aufgrund unserer Begrenztheit, sondern weil Gottes Größe an sich unbegreiflich ist. Diese Ehrfurcht spiegelt tiefe Verehrung für das letzte Geheimnis Gottes wider, frei von Furcht vor Strafe oder dem Bedürfnis nach Verständnis.
Zweck der Gottesfurcht
Obwohl alles mit der Angst vor Bestrafung beginnt, ist das letztendliche Ziel, höhere Ebenen zu erreichen, auf denen man zunehmend die grenzenlose Natur Gottes erfasst.
Von Rabbi Tuvia Serber
Das Obige ist eine Darstellung des gesprochenen Textes, der aus der 6. Lehre über die “Gottesfurcht” in schriftlichen Text umgewandelt wurde.
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