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EIN GEDANKE ÜBER PARSHAT VAYIGASH 5786

Einleitung: Wenn Kleidung eine Geschichte erzählt

Die Geschichte von Josef ist reich an aussagekräftigen Symbolen, und nur wenige sind so eindrucksvoll wie die Kleidung. Kleidungsstücke in Josefs Erzählung sind niemals bloß Stoff; sie stehen für Liebe und Bevorzugung, Demütigung und Scham, Reue und Vergebung. Ketonet passim Vom gestreiften Mantel über die zerrissenen Kleider der Brüder bis hin zu den neuen Kleidern, die Joseph ihnen schenkt, zeichnet die Kleidung eine moralische und spirituelle Reise nach, die in der Versöhnung gipfelt.

Der gestreifte Mantel: Liebe, die spaltet

“Israel aber hatte Josef mehr lieb als alle seine Söhne… und er machte ihm einen Mantel mit vielen Streifen.”
(Genesis 37:3)

Jakobs Geschenk des Mantels war eine öffentliche Liebeserklärung und eine Form der Bevorzugung. Obwohl es auf Zuneigung beruhte – Josef war Jakobs Sohn im hohen Alter –, hatte es verheerende Folgen. Der Mantel wurde zu einem sichtbaren Symbol der Ungleichheit und grenzte Josef von seinen Brüdern aus.

Die Tora hält das Ergebnis sofort fest:

“Als aber seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder, hassten sie ihn.”
(Genesis 37:4)

Or HaChaim erklärt, dass die Eifersucht der Brüder nicht nur durch Josephs Handlungen, sondern auch durch Jakobs offene Bevorzugung, die sich in diesem besonderen Kleidungsstück manifestierte, verstärkt wurde. Kleidung wird hier zum Auslöser der Spaltung.

Rabbeinu Bachya bietet eine überraschende Erkenntnis: Die Unfähigkeit der Brüder, friedlich mit Joseph zu sprechen, könnte eher Ehrlichkeit als Heuchelei widerspiegeln. (Anmerkung: Der letzte Satz scheint nicht relevant für die folgenden Sätze zu sein und wurde daher nicht übersetzt: Rabbeinu Bachya.) Bereschit Rabba, Er stellt ihrer offenen Feindseligkeit die Gefahr falscher Schmeichelei gegenüber und zitiert dabei Sprüche 29,5 sowie das Verhalten Avshaloms gegenüber Amnon. Schon in diesem frühen Stadium lädt uns die Tora dazu ein, tief über Integrität und Wahrheit nachzudenken.

Josephs Schande: Beraubt seiner Würde

Die Symbolik der Kleidung verdunkelt sich, als die Brüder ihrem Hass nachgeben:

“Sie zogen Joseph seinen Mantel aus, den vielgestreiften Mantel, den er trug.”
(Genesis 37:23)

Die Weisen lehren, dass Josef nackt in der Grube zurückgelassen wurde. Das Abnehmen des Mantels war mehr als ein Akt der Gewalt; es war ein Angriff auf seine Würde. Einst durch das Gewand erhaben, stand Josef nun gedemütigt, bloßgestellt und machtlos da.

In diesem Moment symbolisiert die Kleidung Josephs Abstieg vom Lieblingssohn zum schutzlosen Gefangenen. Der Mantel, der ihn einst auszeichnete, ist nun verschwunden, und mit ihm sein Schutz und sein Status.

Die Schande der Brüder: Zerrissene Kleider

Jahre später kehrt sich die Symbolik um. Als der silberne Becher in Benjamins Sack gefunden wird, erleben die Brüder tiefe Verzweiflung:

“Und sie mieten ihre Kleidung.”
(Genesis 44:13)

Zerrissene Kleider in der Tora drücken Trauer, Schock und Reue aus. Nun stehen die Brüder beschämt vor Josef, obwohl sie ihn noch nicht erkennen. Die Männer, die einst einen anderen seiner Würde beraubten, zerreißen nun in ihrer Verzweiflung ihre eigenen Kleider.

Maß für Maß (middah keneged middah), schließt sich der Kreis der Symbolik.

Dies lehrt uns, warum wir alle sehr vorsichtig mit unserem Verhalten gegenüber anderen umgehen und niemanden verletzen sollten.

Vergebung und Wiederherstellung: Neue Gewänder

Der emotionale Höhepunkt ist erreicht, als Joseph sich zu erkennen gibt:

“Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt… Seid nicht betrübt und zürnt nicht euch selbst.”
(Genesis 45:4–5)

Joseph deutet die gesamte Geschichte im Lichte der göttlichen Vorsehung neu. Was wie Verrat und Grausamkeit aussah, war in Wahrheit Teil von Gottes Plan, das Leben zu bewahren. Or HaChaim betont, dass Joseph hinter die menschlichen Handlungen die lenkende Hand des Himmels erkannte.

Diese Vergebung findet einen greifbaren Ausdruck:

“Er schenkte jedem von ihnen ein neues Gewand.”
(Genesis 45:22)

Der Alschech erklärt, dass diese neuen Kleider Sühne und Versöhnung symbolisieren. Wo Kleidung einst Neid und Scham hervorrief, wird sie nun zum Mittel der Heilung. Josef vergibt nicht nur mit Worten, er stellt die Würde seiner Brüder wieder her.

Vertrauen in Gott: Die Quelle von Josephs Stärke

Josephs Fähigkeit zu vergeben wurzelt in unerschütterlichem Glauben. Von seinen Brüdern verraten, versklavt, fälschlicherweise beschuldigt und eingekerkert, verliert er niemals das Vertrauen in Gottes Plan:

“Und Gott hat mich vor euch hergesandt… um euch am Leben zu erhalten zu einer großen Befreiung.”
(Genesis 45:7)

Joseph lehrt, dass wahrer Glaube es einem Menschen ermöglicht, persönlichen Schmerz zu überwinden. Anstatt Leiden als Selbstzweck zu betrachten, versteht er es als eine sinnvolle Etappe auf einem umfassenderen spirituellen Weg. Indem er sein Leiden als sinnhaft deutet – sei es als spirituelle Läuterung oder Vorbereitung auf eine höhere Berufung –, wandelt er mögliche Bitterkeit in Mitgefühl um. So wird Leiden nicht zum Ziel, sondern zum Katalysator für inneres Wachstum und moralische Reife.

Eine Lektion für uns

Josephs Geschichte fordert uns auf, unser Verhalten gegenüber Ungerechtigkeit und Not zu überdenken. Anstatt Wut oder Groll zu empfinden, sind wir aufgerufen, Mitgefühl zu entwickeln. Bitachon—Vertraue darauf, dass alles, was Gott tut, letztendlich zum Guten ist.

Vergebung leugnet nicht den Schmerz der Vergangenheit; sie heilt ihn. Josephs Größe liegt nicht nur in seinem Aufstieg zur Macht, sondern auch in seiner moralischen Klarheit und seiner spirituellen Stärke.

Ein Kreis der Symbolik

Die Erzählung bildet einen aussagekräftigen symbolischen Zyklus:

  1. Der gestreifte Mantel – ein Geschenk, das Neid hervorruft.
  2. Joseph wurde entkleidet – Demütigung und Verlust der Würde.
  3. Die zerrissenen Kleider der Brüder – Scham und Reue.
  4. Neue Kleidung – Vergebung und Wiederherstellung.

Kleidung, die einst die Familie spaltete, wird letztendlich zum Mittel, durch das die Einheit wiederhergestellt wird.

Fazit: Vom Stoff zum Glauben

Die Geschichte von Josef lehrt uns, dass selbst Erfahrungen von Scham und Verlust zu Quellen des Wachstums und der Versöhnung werden können. Durch den Glauben an Gott und den Mut zur Vergebung heilt Josef, was zerbrochen ist, und stellt den Frieden in seiner Familie wieder her.

Am Ende sind die Kleidungsstücke keine Symbole der Bevorzugung oder Verzweiflung mehr, sondern der Heilung, der Würde und der Hoffnung.

Von Angelique Sijbolts
Mit Dank an Rabbi Moshe Bernstein für das Feedback





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