Den Text entschlüsseln

Einführung

Die Bibelstelle in Matthäus 1,23 steht seit Langem im Mittelpunkt theologischer Diskussionen, insbesondere hinsichtlich der Übersetzung des Begriffs “Jungfrau”. Dieser Vers, der die Erfüllung einer Prophezeiung aus den hebräischen Schriften in Jesaja 7,14 beansprucht, wirft Fragen nach den bewussten Entscheidungen des Evangelisten auf. Begeben Sie sich mit uns auf eine Reise, um die absichtliche Fehlübersetzung im Matthäusevangelium aufzudecken und zu verstehen, warum der griechische Begriff “parthenos” dem hebräischen “almah” vorgezogen wurde. Wir erforschen die theologischen Beweggründe für diese Entscheidungen und ihre weitreichenden Implikationen für die Erzählung von Jesu Geburt.

Die trügerische Übersetzung

Das Schlüsselwort in dieser Debatte ist “almah”, der hebräische Begriff aus dem Buch Jesaja 7,14. Dort heißt es:,

לָ֠כֵן יִתֵּ֨ן אֲ-דֹנָ֥י ה֛וּא לָכֶ֖ם א֑וֹת הִנֵּ֣ה הָעַלְמָ֗ה הָרָה֙ וְיֹלֶ֣דֶת בֵּ֔ן וְקָרָ֥את שְׁמ֖וֹ עִמָּ֥נוּ אֵֽל׃

“Mein Herr wird euch gewiss von selbst ein Zeichen geben! Seht, der junge Frau Sie ist schwanger und steht kurz vor der Geburt eines Sohnes.ihrNamehim Emmanuel.”

Auffällig ist das Fehlen einer expliziten Erwähnung der Jungfräulichkeit. Die bewusste Entscheidung Matthäus', “almah” mit “Jungfrau” zu übersetzen, hat eine Erzählung fortgeführt, die nicht mit dem hebräischen Originaltext übereinstimmt.

Erforschung des hebräischen Kontextes

Die hebräische Sprache kennt zwei unterschiedliche Wörter für junge Frau und Jungfrau: “almah” und “betulah”. Während “almah” eine junge Frau bezeichnet, steht “betulah” speziell für Jungfräulichkeit. Beispiele aus der hebräischen Bibel, wie etwa Exodus 22,16 und Esther 2,2, verdeutlichen den bewussten Gebrauch von “betulah”, wenn der Jungfräulichkeitsstatus betont wird.

אִם־מָאֵ֧ן יְמָאֵ֛ן אָבִ֖יהָ לְתִתָּ֣הּ ל֑וֹ כֶּ֣סֶף יִשְׁקֹ֔ל כְּמֹ֖הַר הַבְּתוּלֹֽת׃

Wenn ihr Vater sich weigert, sie ihm zu geben, muss er dennoch Silber entsprechend dem Brautpreis abwiegen. Jungfrauen.

וַיֹּאמְר֥וּ נַעֲרֵֽי־הַמֶּ֖לֶךְ מְשָׁרְתָ֑יו יְבַקְשׁ֥וּ לַמֶּ֛לֶךְ נְעָר֥וֹת בְּתוּל֖וֹת טוֹב֥וֹת מַרְאֶֽה׃

Die Diener des Königs, die ihn begleiteten, sagten: “Lasst schöne junge Jungfrauen sollte für Eure Majestät gesucht werden.

Wenn wir uns nun mit dem hebräischen Wort befassen, הָעַלְמָ֗ה (ha almah) bedeutet “die junge Frau” und vermittelt Alter und Geschlecht, ohne notwendigerweise sexuelle Reinheit zu implizieren. Obwohl im Allgemeinen von einer jungen Frau angenommen wird, dass sie Jungfrau ist, bezeichnet der Begriff selbst nicht explizit Jungfräulichkeit. Zwei Beispiele aus der Hebräischen Bibel veranschaulichen diese Doppelnatur:

Genesis 24:43 – Die Geschichte von Rebekka:

הִנֵּ֛ה אָנֹכִ֥י נִצָּ֖ב עַל־עֵ֣ין הַמָּ֑יִם וְהָיָ֤ה הָֽעַלְמָה֙ הַיֹּצֵ֣את לִשְׁאֹ֔ב וְאָמַרְתִּ֣י אֵלֶ֔יהָ הַשְׁקִֽינִי־נָ֥א מְעַט־מַ֖יִם מִכַּדֵּֽךְ׃

“Wenn ich an der Wasserquelle stehe, möge die junge Frau, die herauskommt, um Wasser zu schöpfen, und zu der ich sage: ‘Bitte, lassen Sie mich ein wenig Wasser aus Ihrem Krug trinken’, …”

Diese Passage unterstreicht Rebekkas Jugend und ihr Geschlecht (über Rebekkas Alter gibt es unterschiedliche Meinungen; sie war wohl mindestens unter 13 Jahren). Obwohl der Text Rebekkas Jungfräulichkeit nicht explizit erwähnt, lässt der kulturelle Kontext darauf schließen.

Exodus 2:8 – Die Rettung des Mose:

וַתֹּֽאמֶר־לָ֥הּ בַּת־פַּרְעֹ֖ה לֵ֑כִי וַתֵּ֙לֶךְ֙ הָֽעַלְמָ֔ה וַתִּקְרָ֖א אֶת־אֵ֥ם הַיָּֽלֶד׃

“Und die Tochter des Pharao antwortete: ‘Ja.’ Da ging das Mädchen hin und rief die Mutter des Kindes.”

Dieser Vers beschreibt die Rolle der jungen Mirjam (manche sagen, Mirjam sei 7 Jahre alt gewesen) bei der Rettung von Moses, wobei ihr Alter betont wird, ohne auf das Konzept der Jungfräulichkeit einzugehen.

Jedoch ist הָעַלְמָ֗ה (ha almah) vielseitig und kann auch in einem weiteren Sinne verwendet werden, nämlich als Ehebrecherin, wie in Sprüche 30:18-20 gezeigt wird:

שְׁלֹשָׁ֣ה הֵ֭מָּה נִפְלְא֣וּ מִמֶּ֑נִּי (וארבע) [וְ֝אַרְבָּעָ֗ה] לֹ֣א יְדַעְתִּֽים׃

“Drei Dinge übersteigen mein Verständnis;
Vier, die ich nicht begreifen kann:

דֶּ֤רֶךְ הַנֶּ֨שֶׁר׀ בַּשָּׁמַיִם֮ דֶּ֥רֶךְ נָחָ֗שׁ עֲלֵ֫י־צ֥וּר דֶּֽרֶךְ־אֳנִיָּ֥ה בְלֶב־יָ֑ם וְדֶ֖רֶךְ גֶּ֣בֶר בְּעַלְמָֽה׃

Wie ein Adler seinen Weg über den Himmel findet;
Wie sich eine Schlange über einen Felsen bewegt;
Wie sich ein Schiff seinen Weg durch die hohe See bahnt;
Wie ein Mann sich an einem Mädchen vergeht.

כֵּ֤ן׀ דֶּ֥רֶךְ אִשָּׁ֗ה מְנָ֫אָ֥פֶת אָ֭כְלָה וּמָ֣חֲתָה פִ֑יהָ וְ֝אָמְרָ֗ה לֹא־פָעַ֥לְתִּי אָֽוֶן׃ {פ}

So handelt eine Ehebrecherin:
Sie isst, wischt sich den Mund ab.,
Und er sagt: “Ich habe nichts falsch gemacht.”

Die Manipulation aufdecken

Die bewusste Übersetzung von “almah” mit “Jungfrau” im Matthäusevangelium spiegelt eine Agenda wider, die über sprachliche Nuancen hinausgeht. Die Verbreitung der Lehre von der wundersamen Empfängnis durch die Kirche beruht auf dieser irreführenden Interpretation und fördert eine Erzählung, die zwar mit etablierten Dogmen übereinstimmt, aber vom ursprünglichen Sinn der Schrift abweicht.

Das wahre Wesen des Textes

Der Prophet Jesaja verkündete König Ahas während einer von Assyrien herbeigeführten militärischen Krise eine Prophezeiung, die den König angesichts drohenden Unheils in Angst und Schrecken versetzte. Angesichts dieser drohenden Krise gab Gott Ahas ein beruhigendes Zeichen: Noch bevor das Kind (aus dem “Almah”) “Papa” oder “Mama” sagen konnte, würde Rettung kommen. Jesajas Frau gebar auf natürliche Weise einen Sohn. Dies allein war noch kein Zeichen (was ist schon bemerkenswert an einer natürlichen Empfängnis und Geburt?), doch die Tatsache, dass die Rettung kam, bevor das Kind zwei Jahre alt war, war das Zeichen dafür, dass Gott Erlösung schenkt.

Schlussfolgerung

Indem wir die wahre Bedeutung von “almah” entschlüsseln, stellen wir die tief verwurzelte Vorstellung einer wundersamen Empfängnis infrage. Matthäus’ bewusste Übersetzungswahl belegt die Manipulation, die theologische Lehren geprägt hat. Durch die erneute Betrachtung des hebräischen Kontextes und das Verständnis der Nuancen dieser Worte gewinnen wir Einblicke in eine authentischere Interpretation, widerlegen den Mythos der wundersamen Empfängnis und bekräftigen die Wichtigkeit einer präzisen Bibelübersetzung.

Zusammenfassend

Diese Erzählung entfaltet ein Geflecht tiefgründiger Lehren, die an den Schnittstellen von Glaube, Geschichte und sprachlicher Präzision widerhallen. Durch die Linse von Jesajas Prophezeiung an König Ahas gewinnen wir Einblicke in Folgendes: Hier ist die revidierte Reihenfolge:

1. **Klarheit in Gottes Kommunikation:**

   Der bewusste Gebrauch von “almah” und die darauffolgende Fehlinterpretation im Neuen Testament verdeutlichen, wie wichtig Klarheit beim Verständnis der göttlichen Kommunikation ist. Sie unterstreichen die Notwendigkeit einer präzisen Auslegung, um potenziellen Missbrauch heiliger Texte zu vermeiden.

2. **Sprachliche Nuancen erkennen:**

   Die Untersuchung der hebräischen Begriffe “Betulah” und “Almah” verdeutlicht die Bedeutung sprachlicher Nuancen für die Bibelauslegung. Das Verständnis der Unterschiede zwischen diesen Wörtern vertieft unser Verständnis des Originaltextes und unterstreicht die Wichtigkeit sprachlicher Präzision in der Bibelwissenschaft.

3. **Göttliche Gegenwart in Krisenzeiten:**

   Die Geschichte verdeutlicht Gottes tröstliche Gegenwart inmitten politischer und persönlicher Wirren. In Krisenzeiten unterstreicht die Erzählung den Trost, den göttliche Führung spendet.

4. **Bedeutung des göttlichen Timings:**

   Das prophetische Zeichen, das mit dem Alter eines Kindes zusammenhängt, unterstreicht die sorgfältige Planung von Gottes Eingreifen. Es lehrt uns, auf die göttliche Führung zu vertrauen, selbst angesichts drohender Herausforderungen.

5. **Gewöhnliche Ereignisse, außergewöhnliche Zwecke:**

   Die Geburt von Jesajas Sohn auf natürlichem Wege offenbart den außergewöhnlichen Sinn hinter scheinbar alltäglichen Ereignissen. Dies ermutigt uns, Gottes verwandelnde Kraft in den alltäglichen Dingen unseres Lebens zu erkennen.

6. **Vertrauen in Gottes Erlösung:**

   Die Erzählung vermittelt die Botschaft, dass Gottes Erlösung zu genau vorherbestimmten Zeitpunkten geschieht. Das Vertrauen auf diese Erlösung, symbolisiert durch das Zeichen, wird zu einem zentralen Aspekt des Glaubensweges.

7. **Schnittstelle von Glaube und Geschichte:**

   Indem wir historische Ereignisse im Zusammenhang mit prophetischen Botschaften untersuchen, erkennen wir die nahtlose Verbindung zwischen Glaube und historischer Realität. Diese Schnittstelle lädt uns ein, über die tiefgreifenden Weisen nachzudenken, in denen der Glaube den Lauf der Geschichte beeinflusst.

Vereint durch das übergreifende Thema der Jesaja-Prophezeiung bilden diese Lehren eine zusammenhängende Erzählung. Sie leiten Gläubige an, die Komplexität des Glaubens zu verstehen, die Tiefe historischer Zusammenhänge zu erfassen und die Heilige Schrift mit Urteilsvermögen auszulegen.


Von Angelique Sijbolts

Siehe auch die Blogs:

Jeremia 7,14 – Die junge Frau wird ihn Immanuel nennen.
DIE URSPRÜNGE DER JUNGFRAUENGEBURT ERFORSCHUNG

Quellen:


Lasst uns die Bibel kennenlernen von Rabbi Tovia Singer, Band 1

Texte von Sefaria.org

© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, ermutigen wir Sie, ihn weiter zu verbreiten.

Unsere Blogs können Texte/Zitate/Referenzen/Links enthalten, die urheberrechtlich geschütztes Material von Mechon-Mamre.org, Aish.com, Sefaria.org, Chabad.orgund/oder FragNoah.orgdie wir in Übereinstimmung mit ihren Richtlinien verwenden.