Vayikra (Levitikus 1-5 )
Eines der wiederkehrenden Themen in der Purim-Geschichte sind die gegensätzlichen Ideologien des jüdischen Volkes und der Amalekiter. Das jüdische Volk glaubt, dass die göttliche Vorsehung die Geschichte lenkt, nichts ist bloßer ‘Zufall’. Im krassen Gegensatz dazu glauben die Amalekiter, dass alles durch reinen Zufall geschieht.mikrehRabbi Yaakov Kamenetsky sel. A. brachte in Bezug auf diesen ideologischen Konflikt eine faszinierende Idee zum Ausdruck. Er begann im Toraabschnitt … Mikeitz, wo Jakob sich weigert, Benjamin nach Ägypten zu schicken. Er erklärte seine Befürchtung, dass “vielleicht eine Katastrophe passieren wird”.1 Rav Kamenetsky bemerkte, dass das hebräische Wort für ‘Geschehen’ – ‘mikreh'’ — wird hier mit einem ' geschrieben‘Aleph'’. Kurz darauf, im Tora-Abschnitt von Vayigash, Yehuda erinnert sich an die Worte Jakobs an den ägyptischen Vizekönig2. “Wenn ihr mir auch noch diesen [Binyamin] wegnehmt, könnte ein Unglück geschehen.“ passieren…”3 Bei dieser Gelegenheit der Brief ‘Aleph'’ wird aus dem Wort ausgelassen, '‘mikreh‘Was ist der Grund für diese Änderung?
Rabbi Kamenetsky erklärt, dass die reguläre Schreibweise des Wortes ‘mikreh'’ ist ohne ein Aleph, und in dieser Form bezieht es sich auf reinen Zufall. Wenn jedoch ein ‘Aleph'’ wird hinzugefügt, das Wort Kara (rufen) entsteht. Dies bedeutet, dass ein Ereignis ’vom Himmel gerufen’ wird, was darauf hinweist, dass es keinen Zufall gibt, sondern alles aufgrund göttlicher Vorsehung geschieht.
Mit dieser Erklärung können wir die Abweichung in der Schreibweise des Wortes verstehen:‘mikreh'’. Als Jakob mit Juda sprach, äußerte er seine Befürchtung, dass, sollte Benjamin nach Ägypten reisen, die göttliche Vorsehung ihm ein Unglück zufügen könnte. Jakob war sich bewusst, dass dies alles nicht dem Zufall geschuldet sein würde. Als Juda Jakobs Worte wiedergab, sprach er mit Josef, den er für jemanden hielt, der die göttliche Vorsehung nicht kannte. Daher konnte er Jakobs Haltung zur göttlichen Vorsehung nicht wiedergeben, da er wusste, dass derjenige, den er für Josef hielt (den Vizekönig von Ägypten), mit einem solchen Konzept nichts anfangen konnte. Deshalb sagte er: ‘…“mikreh'’ ohne das '‘Aleph'’ sich auf reinen Zufall beziehen.4
Dayan Chanoch Erentrau fragte Rabbi Kamenetsky, ob ein Vers aus der Estherrolle der Erklärung zu widersprechen scheine, dass ‘mikreh'’ ohne ein '‘Aleph'’ bezieht sich auf einen Ausdruck reinen Zufalls. Nachdem Mordechai von dem Erlass zur Vernichtung des jüdischen Volkes erfahren hatte, begann er zu trauern. Esther schickte ihren Boten Hatach, um herauszufinden, was geschehen war. Die Megilla schreibt: “Und Mordechai erzählte ihm alles, was geschehen war.“ passiert…”5 In diesem Fall das Wort ‘mikreh'’ wird ohne ein ' geschrieben‘Aleph'’, Dies deutet auf den Glauben an den Zufall hin. Laut Rabbi Kamenetskys oben genannter Erklärung sollte dies bedeuten, dass Mordechai die Ereignisse als Ergebnis reinen Zufalls und nicht göttlicher Vorsehung beschrieb!
Rabbi Kamenetksy antwortete ihm, dass der Midrasch dieses Problem behandle. Der Midrasch vermerkt die Verwendung des Wortes ‘mikreh'’ Hier erklärt er, dass Mordechai darauf anspielte, dass das Volk, das den Glauben an den Zufall verkörpert, hinter dem Dekret zur Vernichtung der Juden stand. Dieses Volk waren die Amalek, von denen die Tora schreibt: “die zufällig (karcha) auf euch auf dem Weg.” Das Wort karcha stammt von derselben Wurzel wie das Wort mikreh, Beide Ausdrücke beziehen sich auf zufällige Ereignisse. Mordechai schrieb den Erlass also nicht dem Zufall zu, sondern erklärte Esther, dass der Erlass von einem Mitglied des Volkes der Amalekiter (Haman) initiiert worden war, die den Glauben vertraten, dass alles bloßer Zufall sei.‘mikreh'’ (Chance).6
Auf einer tieferen Ebene scheint Mordechai Esther gesagt zu haben, dass der Grund, warum Amalek die Juden mit Vernichtung bedrohen konnte, derselbe war, aus dem sie das jüdische Volk in der Wüste angreifen konnten. Das Volk hatte Zweifel an der Gegenwart Gottes unter ihnen geäußert, als es ausrief: “Ist Gott unter uns oder nicht?!”7 Wenn das jüdische Volk Ereignisse dem Zufall zuschreibt, lässt Gott, der uns mit Maß und Maß begegnet, zu, dass wir den Gesetzen des Zufalls unterworfen sind und hört auf, uns zu beschützen. Daher ermöglichte das Infragestellen der göttlichen Vorsehung durch das Volk den Amalek, den ultimativen Leugnern dieser Vorsehung, anzugreifen.
So war auch das jüdische Volk zu Beginn der Purim-Geschichte aufgrund des Tempelverlusts und des Exils Gottes Gegenwart unter ihnen viel weniger bewusst. Dieser Glaubensverlust an die göttliche Vorsehung gab Haman die Möglichkeit, sie zu bedrohen. Nur indem sie erkannten, dass Gott alle Ereignisse, ob gut oder schlecht, lenkt, konnten sie göttliches Eingreifen zu ihrer Rettung erlangen. Mögen auch wir Gottes Hand in allem, was um uns herum geschieht, erkennen.
Von Rabbi Yehonasan Gefen
Anmerkungen
- Mikeitz, 42:38.
- Das war Josef, aber Jehuda kannte zu diesem Zeitpunkt seine wahre Identität noch nicht.
- Vayigash, 44:29.
- Emet L'Yaakov, Mikeitz, 42:38, S. 216.
- Esther, 4:7.
- Esther Rabbah, 8:5.
- Beshalach, 17:7.
WOCHENABSCHNITT DER TORA,
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