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Parashat Vayeshev
Der Vers, mit dem die Lesung dieser Woche beginnt, erscheint überflüssig. Die Kommentare bieten unterschiedliche Erklärungen. Es gibt einen Kommentar des Maggid von Mesritch, der eine sehr grundlegende Lektion im Dienst Gottes vermittelt. (Basierend auf Likutey Sichot, Band 1, S. 76)
Die Tora-Lesung dieser Woche heißt Vayeshev, was “sich niedergelassen” bedeutet. Der erste Vers lautet: “Und Jakob ließ sich nieder im Land, in dem sein Vater als Fremdling gelebt hatte, im Land Kanaan.” Anschließend wird die Geschichte Josefs erzählt – seine Konflikte mit seinen Brüdern, sein Verkauf und die darauffolgenden Ereignisse. Dieser Abschnitt markiert den Beginn des Schlusses von Bereishit (Genesis).
Kommentatoren haben über die Notwendigkeit dieses ersten Verses nachgedacht. Schließlich wurde er bereits im vorherigen erwähnt. Parascha dass Jakob sich im Land Kanaan befand. Warum wird dies hier wiederholt? Zudem scheint dieser Vers nicht mit der folgenden Erzählung, die sich auf Josef konzentriert, in Zusammenhang zu stehen. Warum ist er in der Tora enthalten?
Erklärungen von traditionellen Kommentatoren
Einige Kommentatoren vermuten, dass die Tora nach der detaillierten Beschreibung von Esaus Nachkommen im vorhergehenden Abschnitt zu Jakobs Stammbaum übergeht. Dazu stellt sie zunächst Jakobs Aufenthaltsort wieder her und erinnert uns daran, wo er lebte, da dies inmitten der Beschreibung von Esaus Nachkommen möglicherweise in Vergessenheit geraten war.
Andere deuten die Botschaft tiefer. Jakobs Versuch, sich in Kanaan niederzulassen, spiegelt seinen Wunsch wider, endlich Frieden zu finden. Doch sein Leben blieb turbulent. Die folgenden Geschichten, wie etwa Josefs Abstieg nach Ägypten, zeigen, dass Jakob in Kanaan nie wirklich Stabilität erlangte. Dieser Wunsch nach Sesshaftigkeit steht im Gegensatz zu Esau, der sich bereits in Seir (südöstlich von Israel) niedergelassen hatte. Jakobs unstetes Leben deutet auf den Weg seiner Nachkommen – der Kinder Israels – hinab, die später nach Ägypten ziehen, Sklaverei erleiden und 40 Jahre lang in der Wüste umherirren sollten, bevor sie schließlich im Gelobten Land sesshaft wurden.
Die Lehre des Maggid von Mezritch
Der Maggid von Mesritsch, der zweite Führer der chassidischen Bewegung, bietet eine tiefgründige Interpretation dieses Verses. Seine Lehre gibt Orientierung für das tägliche Leben und die spirituelle Arbeit.
Er erklärt: “Und Jakob ließ sich in dem Land nieder…” Dies deutet darauf hin, dass Jakob sich mit weltlichen Dingen beschäftigte – mit alltäglichen Tätigkeiten wie Arbeit und dem Umgang mit anderen. Das ist bedeutsam, da Jakob eine erhabene, spirituell hochstehende Persönlichkeit war. Warum also widmete er sich so profanen Aufgaben?
Der Schlüssel liegt im Wort megurai (hier übersetzt als “Aufenthalt”), was der Maggid als “Sammeln” interpretiert. Er stellt eine sprachliche Verbindung zum hebräischen Begriff für das Sammeln von Feigen her. Jakobs Beschäftigung mit weltlichen Angelegenheiten beschränkte sich nicht auf das bloße Leben; es ging ihm darum, die verborgenen Funken der Frömmigkeit, die in der physischen Welt verstreut waren, zu sammeln und zu veredeln.
Das Konzept der Verfeinerung (Birurim) in der Kabbala
Die kabbalistischen Lehren erklären, dass die physische Welt die göttliche Gegenwart verbirgt. Es ist die Aufgabe des Menschen, sich selbst und die Welt um sich herum zu veredeln und dadurch die in ihm verborgene Göttlichkeit zu offenbaren. Dieser Prozess, bekannt als Birurim, verwandelt das Materielle in das Spirituelle und bringt die Welt in Einklang mit ihrem göttlichen Zweck.
Jakobs Ansiedlung im Lande symbolisiert dieses Wirken. Indem er sich mit der physischen Welt auseinandersetzte – nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um göttliche Funken zu entdecken –, erfüllte er seine spirituelle Mission. Er tat dies “im Lande der Fremdlinge seines Vaters”, was seine Verbindung zu einem höheren Ziel symbolisiert: das Alltägliche zu erheben und es Gott zu weihen.
Der Maggid betont weiterhin, dass sich das Wort “Kanaan” nicht nur auf einen geografischen Ort, sondern auch auf einen Händler bezieht. Händler tätigen Transaktionen, und ebenso interagieren Menschen durch vielfältige alltägliche Interaktionen mit der Welt – sei es beim Kaufen, Verkaufen, Arbeiten oder einfach beim Leben selbst. Diese Interaktionen bieten Gelegenheiten, Gottes Gegenwart im scheinbar Gewöhnlichen zu offenbaren.
Praktische Auswirkungen
Diese Lehre unterstreicht einen zentralen Gedanken jüdischer Spiritualität: Gottesfürchtigkeit beschränkt sich nicht auf Gebet und Studium, sondern erstreckt sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens. Ob bei der Arbeit, zu Hause oder im Umgang mit anderen – man kann und muss sich der Gegenwart Gottes bewusst sein. Dadurch bringt man Heiligkeit in den Alltag und erfüllt den höchsten Zweck der Schöpfung: das Göttliche in der physischen Welt sichtbar zu machen.
Schlussfolgerung
Jakobs Wunsch, sich trotz aller Widrigkeiten in Kanaan niederzulassen, spiegelt die übergeordnete Aufgabe der Menschheit wider. Wir sind berufen, in der Welt zu leben, nicht um ihr zu entfliehen, sondern um sie zu verbessern. Unser Dienst für Gott zielt nicht auf persönlichen Gewinn ab – weder materiellen noch spirituellen –, sondern darauf, seinen Willen zu erfüllen. Indem wir in jeder Situation die verborgene Gottesfurcht offenbaren, richten wir uns nach dem Sinn der Schöpfung aus und tragen zur Verfeinerung und Vollkommenheit der Welt bei.
Parascha-Vortrag von Rabbi Tuvia Serber
Die obige Darstellung zeigt den gesprochenen Text, der in geschriebenen Text umgewandelt wurde.
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