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Der elfte der dreizehn Glaubensgrundsätze, wie sie von Maimonides formuliert wurden, besagt, dass Gott diejenigen belohnt, die seine Gebote halten, und diejenigen bestraft, die sie übertreten. Dieses Konzept wird von anderen Religionen oft fälschlicherweise als “rachsüchtig” interpretiert. Doch nichts könnte der Wahrheit ferner liegen. Stellen Sie sich einen Elternteil vor, der seinem Kind freie Hand lässt, ohne es zu führen oder Grenzen zu setzen. Stellen Sie sich nun einen Elternteil vor, der sein Kind sorgsam beaufsichtigt und klare Regeln aufstellt, was erlaubt und was verboten, was sicher und was gefährlich, was angemessen und was unpassend ist. Welcher Elternteil ist der verantwortungsvollere? Offensichtlich der zweite.
Ein gesunder Elternteil findet die Balance zwischen natürlicher Liebe und der nötigen Konsequenz, um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu gewährleisten. Er oder sie bestärkt das Kind in positiven und in negativen Entscheidungen, damit es aus den Folgen seines Handelns lernt. Eltern, die ihre Kinder von jeglicher Verantwortung für ihr Verhalten freisprechen, handeln nicht liebevoll, sondern nachlässig. Andererseits berauben Eltern, die ihren Kindern nicht die Möglichkeit geben, Fehler wiedergutzumachen, Vertrauen wiederherzustellen und Beziehungen neu aufzubauen, ihrer Chancen, die Gott seinen Kindern bereitwillig gewährt.
Gott hat uns seine Güte erwiesen, indem er Teschuva (Umkehr) und Kappara (Sühne) möglich gemacht hat.
In der Tora steht das Prinzip der Versöhnung als Leuchtfeuer der Hoffnung und Klarheit. Dieses Prinzip betont, dass der Weg zur Vergebung nicht nur erreichbar, sondern auch direkt ist – ohne die in anderen Religionen üblichen Vermittler. Es unterstreicht die tiefe, fürsorgliche Beziehung zwischen dem Göttlichen und jedem Einzelnen und hebt die entscheidende Rolle der persönlichen Verantwortung auf dem Weg der Versöhnung hervor.
Wir stellen fest, dass eine der grundlegenden Botschaften lautet, dass niemand außerhalb der Reichweite von Gottes Barmherzigkeit steht.
Im Buch Jesaja (Jesaja 55,6) finden wir die Mahnung: “Sucht den Herrn, wenn er sich finden lässt; ruft ihn an, wenn er nahe ist.” Dieser Vers wird oft verwendet, um die Monate Elul und Tischri zu beschreiben, in denen der Buße besondere Bedeutung beigemessen wird. Interessanterweise heißt es in Psalm 139,8: “Steige ich hinauf zum Himmel, so bist du da; bette ich mich in die Hölle, so bist du auch da.” Dies erweitert den Horizont der Gegenwart Gottes: Er ist überall und jederzeit. Diese Verse fassen das Wesen des direkten Zugangs zu Gott um Vergebung zusammen. Sie erinnern uns daran, dass uns göttliche Vergebung zuteilwird, wenn wir sie aufrichtig suchen.
Darüber hinaus verkündet Levitikus 18,5: “Wer [Ha-Adam] [die Satzungen und Gesetze] befolgt, wird durch sie leben.” Beachten Sie die Verwendung von “Mensch” anstelle von “Israelit” in diesem Zusammenhang. Sie unterstreicht, dass diese moralischen Richtlinien für alle zugänglich sind und über Glaubens- oder Herkunftsunterschiede hinausgehen. Für Juden umfassen sie die 613 Mizwot, während sie für Nichtjuden den Noachidischen Weg beinhalten – den universellen Moralkodex, der die Gebote und ethischen Grundsätze für alle Völker umfasst. Diese Prinzipien bilden die Grundlage für die persönliche Verantwortung, ein rechtschaffenes Leben zu führen.
Im Zusammenhang mit Jom Kippur, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, betont der Talmud, dass es ein Versöhnungstag für diejenigen ist, die aufrichtig bereuen. Er unterstreicht, dass Versöhnung nicht bloß ein ritueller Akt ist, sondern eine tiefgreifende Herzenswandlung. Der Talmud stellt außerdem klar, dass Jom Kippur Sünden gegen Gott sühnt, nicht aber Sünden gegen Mitmenschen, es sei denn, der Geschädigte hat sich mit ihm versöhnt. Jetzt ist die Zeit, die Dinge in Ordnung zu bringen.
Tora und Talmud betonen übereinstimmend, dass Gottes Vergebung zwar leicht zugänglich ist, persönliche Verantwortung aber eine entscheidende Rolle im Sühneprozess spielt. Wir müssen unsere Verfehlungen erkennen, aufrichtige Reue zeigen und uns aktiv um Selbstverbesserung und Versöhnung bemühen.
In einer Welt voller Vermittler und komplexer Bürokratie ist die Botschaft der Tora von der direkten Sühne ein Zeugnis für die Handlungsfähigkeit und Verantwortung des Einzelnen. Sie erinnert uns daran, dass wir als aktive Teilnehmer an diesem Prozess die Macht haben, Veränderungen in unserem Leben und unseren Beziehungen zu bewirken.
Wenn wir in Momenten der Besinnung und Selbstprüfung über diese Lehren nachdenken, sollten wir uns die tiefe Wahrheit vor Augen halten, die sie vermitteln: Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos, und Vergebung ist für alle erreichbar, die sie aufrichtig suchen. Diese Verbindung von persönlicher Verantwortung und direkter göttlicher Vergebung dient uns als Leitstern und bestärkt uns darin, nach einem ethischen Leben, persönlichem Wachstum und letztlich einer tieferen Verbindung zum Göttlichen zu streben.
Segenswünsche für das neue Jahr.
Schabbat Schalom!
Von Rabbiner Tani Burton
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